Aktivitäten zum Internationalen Jahr der Freiwilligen

 

Vorbemerkung

Der Bericht des Deutschen Caritasverbandes (DCV) orientiert sich an den Zielen der UNO und den ergänzenden Zielvorgaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zum Internationalen Jahr der Freiwilligen (IJF). Aktivitäten im DCV, seinen Gliederungen, angeschlossenen Fachverbänden, Vereinigungen und Ordensgemeinschaften gab es zu sämtlichen Zielbereichen; zum Beispiel als Fachtagungen (Bistum Limburg, Erzbistum Köln), Publikationen (Caritas-Konferenzen Deutschlands: Materialien zum IJF; Caritasverband für die Erzdiözese München: Ehrenamtliche und bürgerschaftliche Initiativen in Kirche und Caritas - Deutscher Caritasverband: Dokumentation der Studientagung "Ehrenamtliches Engagement in Lebenswelten und sozialen Institutionen; Schlussbericht zum Modellverbund Freiwilligen-Zentren (Schriftenreihe des BMFSFJ, Bd. 203); Dokumentation des 4. Treffens der Europäischen Freiwilligenuniversität). Im folgenden sind die zentralen Aktivitäten des DCV zum IJF den Zielbereichen zugeordnet.

 

1. Zielbereiche im IJF

1.1. Ziele im IJF der UNO

Die Vereinten Nationen verfolgen mit dem Aufruf zum IJF vier grundlegende Ziele. Das IJF will für Freiwillige / Ehrenamtliche

die Anerkennung in der Gesellschaft erhöhen,

die Rahmenbedingungen verbessern,

Netzwerke auf- und ausbauen,

Attraktivität fördern; Freiwilligentätigkeit neu wecken, entwickeln und erhalten.

Als 5. Ziel wurde bei der Weltkonferenz in Amsterdam das Ziel “Partizipation” eingeführt.

 

1.2. Ziele des IJF in Deutschland

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) nennt als vorrangige Ziele:

Mehr Menschen für das Ehrenamt begeistern, mit besonderem Augenmerk auf die Gewinnung von Jugendlichen für freiwilliges Engagement (Ziel 4, UNO).

Freiwilliges Engagement aufwerten; insbesondere soll das Klima für Freiwilligentätigkeit nachhaltig positiv beeinflusst werden (Ziel 1, UNO).

Rahmenbedingungen verbessern: Rechtliche und institutionelle Voraussetzungen, Zugang zu Informationen, Beratung und Fortbildung so weiter entwickeln, dass sie die Freiwilligenarbeit besser fördern und unterstützen (Ziel 2, UNO).

Die weltweit mit genannten Ziele, das Ziele 3 (Netzwerk) und das Ziel 5 (Partizipation) werden bei der nationalen Zielleiste nicht genannt; der Bericht des DCV geht auch auf diese Zielbereiche ein.


 

2. Zentrale Aktivitäten im DCV zum IJF

 

Zu Ziel 1: Anerkennung in der Gesellschaft erhöhen

 

Ökumenischer Sozialpreis innovatio‘01 geht in die dritte Runde
Der ökumenische Sozialpreis innovatio wird im Jahr 2001 zum drittenmal verliehen; er steht unter der Schirmherrschaft der Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes und des Diakonischen Werkes der EKD. Das Preisgeld in Höhe von DM 25.000 wird durch die Versicherungsgruppe HUK Coburg bereitgestellt. Mit innovatio wird das innovativste Projekt prämiert, das sich eines drängenden sozialen Problems annimmt, zukunftsweisende Handlungsperspektiven eröffnet und in besonderer Weise berücksichtigt, wie Ehrenamtliche konzeptionell in das Projekt eingebunden sind. Insgesamt wurden ca. 120 Projekte eingereicht; die Entscheidung der Jury steht noch aus.

Konstituierung und Ausbau des Verbund Freiwilligen-Zentren
Mit der Gründung des ”Verbund Freiwilligen-Zentren im Deutschen Caritasverband” zum Beginn des IJF leistet der DCV einen Beitrag zur Stabilisierung von Engagement fördernde Einrichtungen in der Gesellschaft. Informations- und Kontaktstellen für Bürgerengagement werden von den Zukunftskommissionen Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen empfohlen und stoßen nach den Ergebnissen der Repräsentativbefragung des BMFSFJ in der Bevölkerung auf positive Resonanz. Nach Abschluss der Modellphase führt der Verbund Freiwilligen-Zentren im DCV die erfolgreich begonnene Arbeit fort; derzeit gehören 32 Freiwilligen-Zentren dem Verbund an.
Der Schlussbericht zur Modellphase konnte im August 2001 in der Schriftenreihe des BMFSFJ (Bd. 203) publiziert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Zentren mit ihren Profilbereichen „Vermittlung mit Information und Engagementberatung, Forum und Werkstatt“ neue Engagementfelder in der Gesellschaft erschließen und neue Freiwillige gewinnen, die sich weit über den Kreis des Caritasverbandes hinaus in verschiedenen Verbänden und Institutionen engagieren.

Statistik Ehrenamt / Freiwilligentätigkeit
Erstmals in der Verbandsgeschichte des DCV wurde im IJF in einer umfassenden Statistik bei Diensten und Einrichtungen im gesamten Mitgliedsbereich des DCV eine breit angelegte Datenerhebung zu ”Ehrenamt/ Freiwilligentätigkeit in der Caritas” durchgeführt. Die Ergebnisse werden ausgewertet und publiziert; das Erhebungsverfahren wird weiterentwickelt.

 

Zu Ziel 2: Rahmenbedingungen verbessern

 

Gesetzliche Rahmenbedingungen - Öffentliche Auftaktveranstaltung
Die öffentliche Auftaktveranstaltung der Aktivitäten des DCV zum IJF fand im Dezember 2000 fand am Sitz der Zentrale des DCV in Freiburg durch einen öffentlichen Vortrag von Staatssekretär Peter Haupt zum Thema “Ehrenamt, Freiwilligeninitiativen, Bürgerschaftliches Engagement – Solidarität und Selbstverantwortung als sozialpolitische Optionen” statt. Der Vortrag ist veröffentlicht in: Ehrenamtliches Engagement in Lebenswelten und sozialen Institutionen, Dokumentation der Studientagung vom 6.-9.12. 2000, hrsg. V. Deutschen Caritasverband Freiburg, 2001, S.169ff.

Studientagung: Ehrenamt in Lebenswelten und in Institutionen
Von 06. – 09. Dezember 2000 fand eine Studientagung in Freiburg in Trägerschaft der Fortbildungsakademie des DCV in Zusammenarbeit mit dem Referat Gemeindecaritas und dem Zentralratsausschuss Ehrenamtliches Engagement zum Thema ”Ehrenamtliches / freiwilliges Engagement in Lebenswelten und sozialen Institutionen” statt. Die Tagung ging der Frage nach den Eigenheiten und den jeweiligen Rahmenbedingungen eines Engagements im Lebensumfeld (Stadtteil, Pfarrgemeinden, Kindergarten u.w.) und einem Engagement in Institutionen (insbesondere Dienste und Einrichtungen des Caritasverbands) nach. Beiträge der Tagung sind in der neuen caritas (Heft 14, 26.Juli 2001) veröffentlicht; die Dokumentation der gesamten Tagung „Ehrenamtliches Engagement in Lebenswelten und sozialen Institutionen“ (a.a.O.), kann über den DCV bezogen werden.

Corporate Volunteering / bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen
Soziales und bürgerschaftliches Engagement von Firmen und Institutionen war Themenschwerpunkt von Sozialcourage  Heft 1/2001und Heftkommentar von neue caritas Heft 6, März 2001. Die Ergebnisse einer Befragung von Firmen im Umfeld von Freiwilligen-Zentren wurden im Seminar „soziales Engagement von Firmen beim 4.Treffen der Europäischen Freiwilligenuniversität im Juni 2001 in Freiburg international diskutiert. Dort waren auch verschieden Formen von Corporate Volunteering in mehreren Ländern sowie Forschungen zu Corporate Volunteering in Spanien und England Thema. Der Verbund Freiwilligen-Zentren hat in diesem Bereich eine Schwerpunktaufgabe gesetzt; die Thematik wird weiter bearbeitet.

 

 

Zu Ziel 3. Netzwerke auf- und ausbauen - international

 

IV. Treffen der Europäischen Freiwilligen-Universität
Das IV. Treffen der Europäischen Freiwilligen-Universität fand von 27. – 30. Juni 2001 in Freiburg statt. Es wurde in der Veranstaltergemeinschaft von Deutscher Caritasverband, Katholische Fachhochschule und Universität Freiburg zusammen mit ausländischen Partnerorganisationen durchgeführt. In Vorlesungen zu Grundfragen bürgerschaftlichen Engagements (L. R. Dahrendorf, A. Grosser, L. Penta und K. Deufel), in Präsentationen von Innovationen der Freiwilligentätigkeit und in Seminaren zu Forschungsprojekten wurden die Themen Qualifizierung, Corporate Volunteering, Freiwilligendienste, Wohlfartsmix Ehrenamtliche / Freiwillige und Berufliche, Ehrenamt mit Handicaps, staatliche Steuerung (Freiwilligengesetz), Freiwilligentätigkeit in Osteuropa, Caritasarbeit und Bürgerengagement im lokalen Raum international relevante diskutiert. Beiträge, Ergebnisse und Konsequenzen werden publiziert; die Veröffentlichung erscheint dreisprachig im Lambertusverlag zum Abschluss des IJF im Dezember 2001.

Mitglied bei IAVE / Washington D.C.
Als erste deutsche Organisation ist der DCV mit seinem Verbund Freiwilligen-Zentren Mitglied in der International Association of Volunteer Effort (IAVE) mit Sitz in Washington D.C. Damit verstärkt der DCV die internationalen Kontakte mit Freiwilligen-Zentren anderer Länder, bringt Beiträge der Freiwilligentätigkeit aus Deutschland in den internationalen Diskurs ein und beteiligt sich an gemeinsamen internationalen Projekten zur Weiterentwicklung der Freiwilligentätigkeit.

 

Zu Ziel 4. Attraktivität fördern, Freiwilligentätigkeit neu wecken und erhalten

 

Basiskurse Sozialcourage: Mit-Leidenschaft und Kompetenz
Mit einem neuen Qualifizierungsangebot ”Basiskurs Sozialcourage: Mit-Leidenschaft und Kompetenz” hat der DCV damit begonnen, in lokalen Kooperationen von Hochschule / Bildungseinrichtung, Wohlfahrtsverband und Freiwilligen-Zentrum im Seminar- oder Kursstil Basisthemen der Freiwilligentätigkeit zu bearbeiten und potenziell Interessierte kognitiv zum sozialem Engagement hinzuführen. Erste Basiskurse fanden in Freiburg in Trägerschaft der Katholischen Fachhochschule zusammen mit den Freiburger Caritasverbänden und in Konstanz statt; die Schwerpunktzielgruppe waren “Studierende aller Fakultäten im Grundstudium”. Ähnliche Basiskurse sind an weiteren Orten in Deutschland geplant. Mit dem Basiskurs hat sich der Deutsche Caritasverband beim Wettbewerb "Startsocial" eingebracht.

Freiwilligendienste im In- und Ausland: Eckpunkte, Machbarkeitsstudie und Projekte bei Freiwilligen-Zentren
Der Zentralrat des DCV hat im Mai 2001 Eckpunkte Freiwilligendienste beschlossen (vgl. neue caritas, Heft 14, 2001).
Der DCV hat im August 2001 eine Machbarkeitsstudie “Freiwilligendienste im In- und Ausland” in Auftrag gegeben. In fünf Modulen (Dienste und Einrichtungen der Caritas, Pfarrgemeinden, Gruppen und Initiativen, Schulen und Hochschulen, exemplarische Projekte) werden Kenntnisse und Erfahrungen zu Freiwilligendiensten im In- und Ausland vorgelegt. Insbesondere wird eruiert, welche Möglichkeiten es mit Ressourcen der Verbände und der Kirche gibt, den starken Nachfragebedarf nach Freiwilligendiensten zu entsprechen, welche Anforderungen an eine Infrastruktur zu stellen sind und welche Grenzen bei der Realisierung von Freiwilligendiensten beachtet werden müssen. Die Studie wird von einem Team von Experten an Fachhochschulen und Universitäten in Augsburg, Bamberg, Freiburg, Köln, Linz und Münster erstellt. Die Ergebnisse der Studie werden im Herbst 2002 vorliegen.
Mit Förderung der Robert Bosch Stiftung wurde damit begonnen, vier Freiwilligen-Zentren, davon je zwei in westlichen und in östlichen Bundesländern, als Informations-, Beratungs- und Vermittlungseinrichtung für Jugendgemeinschaftsdienste und Freiwilligendienste zu etablieren.

 

Zu Ziel 5: Partizipation ermöglichen - Freiwillige an Entscheidungsprozessen beteiligen

 

Fachforum ”Ehrenamt / Freiwillige Tätigkeit”
Auf Initiative des Zentralratsausschusses Ehrenamtliches Engagement wird ein Fachforum/Fachkonferenz Ehrenamt/Freiwillige Tätigkeit im Deutschen Caritasverband durchgeführt, mit dem Ziel, verbandsintern auszuloten, was das IJF im DCV bewirkt hat und welche Beiträge der DCV zum weiteren Aufbau einer Bürger- und Zivilgesellschaft erbringen kann. Die Hälfte der Teilnehme/innen am Fachforum sind Freiwillige / Ehrenamtlich.

Mitgestaltungsmöglichkeiten in der künftigen DCV-Satzung
In der künftigen DCV-Satzung sind neue Formen von Mitwirkungsrechten von Freiwilligen / Ehrenamtlichen in der Diskussion (vgl. neue Caritas Heft 17, 5. Oktober 2001).

Näher hin wird geprüft, welche Rechte der Mitwirkung an Planungs- und Entscheidungsprozessen Freiwillige haben sollen und welche Formen der Selbstvertretung in ihren Engagementfeldern eingeräumt werden müssten.

 

Freiburg, im Dezember 2001

 

Dr. Eugen Baldas

 

Deutscher Caritasverband

Referat Gemeindecaritas

Karlstraße 40, 79104 Freiburg

Telefon: 0761/200-424; Telefax: 0761/200-509;

Email: Eugen.Baldas@caritas.de

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